Man kann in Bilder ja viel reininterpretieren. Und das möchte ich nun auch machen. Ihr seht hier das Sparkassengebäude in meiner Heimatstadt.
Es wird seit Monaten teilabgerissen.
Ich war damals dabei, als das Gebäude feierlich eröffnet wurde. Das war ungefähr im Jahr 1986.
Das Gebäude wird also noch circa 40 Jahren teilabgerissen. Warum?
Nun, man sagt, das Gebäude war von Anfang an überdimensioniert. Es ist leider so, dass viele Unternehmen einfach repräsentative Firmengebäude haben wollen. Man will ja nach Erfolg aussehen, einfach durch Größe beeindrucken.
Nun ist das Gebäude mittlerweile aber nicht nur zu groß – sondern sogar viel zu groß… Warum?
Ja, und nun kommt meine Interpretation, meine Spekulation.
In den vergangenen 40 Jahren und speziell in den letzten ca. 20 Jahren hat sich sehr viel geändert, was das Bankenwesen verändert hat.
Unternehmen wir eine Zeitreise
Stell dir vor, du müsstest für jede Überweisung während der Öffnungszeiten der Bank (Montag bis Freitag von 9 bis 16 Uhr) noch zur Filiale in die Innenstadt gehen, einen Papierbeleg ausfüllen und dich anstellen. Wenn du Geld abheben wolltest, hast du dich an einem Schalter angestellt, dich ausgewiesen und der seriöse Herr hinter der dicken Panzerglasscheibe hat dir den gewünschten Betrag ausgezahlt (und deinem Konto abgezogen). Genau so sah Bankgeschäft für viele Menschen in den 1990er Jahren noch aus. Steinzeit! Seitdem hat sich das Bankenwesen grundlegend verändert — vor allem durch die Digitalisierung.
In den 90ern dominierten Filialen (in nahezu jedem Dorf gab es eine!), Papierformulare und persönliche Beratung. Kontoauszüge wurden per Post zugeschickt (kamen aus dem Drucker in der Bank), Bargeld im Laufe der Zeit aus dem Automaten, und Beratungsgespräche fanden vor Ort statt. Erste Schritte zur Automatisierung gab es zwar schon, doch der Alltag blieb analog.
Früher ging man zur Bank, um Geld abzuheben, damit man anschließend seine Einkäufe bezahlen konnte. Heute bezahlt man mit Karte oder seinem Smartphone. Das Taschengeld an die Kinder überweist man per Dauerauftrag.
Online-Banking: man überweißt Geld vom PC oder Smartphone. Früher hat man dazu noch ein Überweisungsformular aus Papier ausgefüllt und in der Bank abgegeben, wo die Überweisung dann von einem Mitarbeiter veranlasst wurde, wenn genug Geld auf dem Konto oder der Kreditrahmen nicht ausgeschöpft war.
Der Start der Digitalisierung
Mit der Verbreitung des Internets entstanden ab Mitte/Ende der 1990er Jahre die ersten Online-Banking-Angebote. Kunden konnten Kontostände daheim am PC abrufen und Überweisungen von zu Hause aus tätigen. (Ich erinnere mich gut, wie ich ca. im Jahr 1997, in Verkennung der Wucht der Digitalisierung und des Internets zu meinem Vater sagt: „Online-Banking brauchst du nicht. Das setzt sich nicht durch!“ Er hat sich nicht abhalten lassen und online-Banking dann fast 30 Jahre genutzt!).
Das war der Beginn eines Trends: Bankdienstleistungen wanderten vom Schalter ins Netz. Parallel dazu entwickelten sich Kartenzahlungen weiter und legten die Basis für den bargeldlosen Alltag.
Stichwort Digitalisierung: Prozesse in der Bank laufen seit den 90ern EDV-gestützt ab. Die EDV prüft, ob genug Geld oder Kreditrahmen auf dem Konto ist und führt dann die Überweisung durch – oder lehnt sie ab.
Mitarbeiter werden eingespart. Dokumente (wie Kreditverträge oder Bilanzen) liegen nur noch als Dateien vor. Man benötigt im Gebäude somit weniger Archivraum. Die Bankmitarbeiter rufen sich die Dokumente bei Bedarf einfach vom Server ab. Und das geht auch bequem und sicher aus dem Homeoffice.
Mobile Banking und Apps
Mit dem Smartphone kam der nächste Schub. Ab den späten 2000ern wurden Banking-Apps zum Standard. Heute lassen sich bequem Daueraufträge einrichten, Rechnungen per QR-Code bezahlen, Karten temporär sperren oder Limits anpassen — alles in Sekunden. Push-Nachrichten informieren Euch in Echtzeit über Kontobewegungen, und die allermeisten Services funktionieren völlig ohne Filialbesuch.
Die Digitalisierung öffnete die Tür für Direktbanken ohne Filialnetz und für FinTechs, die einzelne Dienstleistungen besonders nutzerfreundlich machen: von Peer-to-Peer-Zahlungen über digitale Vermögensverwaltung bis hin zu Kreditplattformen. Wettbewerb und Innovation nahmen zu, Gebühren sanken oft, die Produktvielfalt stieg.
Kontaktloses Bezahlen mit Karte oder Smartphone haben den Kassiervorgang vereinfacht. Online-Shopping wurde zum Massenphänomen, abgesichert durch neue Sicherheitsverfahren. Auch internationale Überweisungen wurden schneller und günstiger, teils in Echtzeit.
Gibt es in Eurem Wohnort noch eine Bankfiliale? In der Mitarbeiter anzutreffen sind? Wo man Geld abheben kann??? Gerade für ältere Menschen ist das wichtig!
ABER: Filialnetze wurden ausgedünnt, gleichzeitig entstand die Videoberatung und der digitale Service-Chat. Komplexe Themen wie Baufinanzierung oder Vermögensplanung finden zunehmend hybrid statt: online vorbereitet, persönlich vertieft. Banken investieren stärker in Datenanalyse und Kundenportale, um Angebote individueller zu machen.
Fazit
Ja, und aus all diesen Gründen brauchen Banken heute keine großen, repräsentativen Gebäude mehr. Und deshalb wird diese Sparkasse auch teilabgerissen. Auf dem freien Gelände sollen dann Wohnung entstehen.